Steffen Schlutt — Investments & Insights Immobilien-Wissen

Vergleich

Immobilie oder ETF? Die ehrliche Rechnung im Spitzensteuersatz

ETF oder Immobilie – die Frage spaltet jede Diskussion. Die ehrliche Antwort: Der ETF ist für die meisten der bessere Startpunkt. Aber für Gutverdiener im Spitzensteuersatz dreht sich die Rechnung, sobald zwei Hebel ins Spiel kommen, die der ETF nicht hat: Fremdkapital und Abschreibung.

Als gelernter Banker sage ich bewusst nicht „Immobilie immer besser“. Ich zeige dir, wo der ETF klar vorne liegt – und ab welchem Punkt die finanzierte Immobilie ihn für Spitzensteuerzahler schlägt.

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Steffen Schlutt
Dein Immobilien-Vermögensarchitekt

Der Blick des Vermögensarchitekten

Es geht nicht um die Anlage, sondern um den Hebel

„Beim ETF investierst du dein eigenes, schon versteuertes Geld und zahlst auf den Gewinn pauschal rund 26 Prozent. Bei der Immobilie arbeitet das Geld der Bank, Mieter tilgen mit, und die Abschreibung wirkt gegen deinen Spitzensteuersatz. Das ist kein Glaubenskrieg – das ist Mathematik, und sie fällt je nach Steuersatz anders aus.“
Steffen Schlutt · Gelernter Banker & Immobilieninvestor seit 2004

Fangen wir fair an – mit dem, was der ETF besser kann.

Fair benannt

Wo der ETF klar vorne liegt

  • Einfachheit: Sparplan einrichten, fertig. Kein Objekt, keine Bank, keine Verwaltung.
  • Liquidität: Du kannst börsentäglich verkaufen – die Immobilie ist über Wochen bis Monate gebunden.
  • Streuung: Ein breiter Aktien-ETF verteilt dein Geld über tausende Unternehmen. Kein Klumpenrisiko in einem Objekt.
  • Schon mit kleinen Beträgen: ETF-Sparpläne starten bei wenigen Euro im Monat.

Für den Vermögensaufbau der meisten Menschen ist der ETF deshalb ein hervorragender, flexibler Basisbaustein. Der Punkt kommt woanders.

Der Unterschied

Zwei Hebel, die der ETF nicht hat

Bei der vermieteten Immobilie kommen zwei Dinge zusammen, die es beim ETF so nicht gibt:

  • Der Fremdkapital-Hebel: Die Bank finanziert den Großteil des Kaufpreises – deine Rendite rechnet sich auf einen Bruchteil eigenes Kapital. Mehr dazu unter Leverage-Effekt. Einen ETF kaufst du dagegen mit eigenem Geld.
  • Der Steuer-Hebel: Die Abschreibung (AfA) und Schuldzinsen mindern dein zu versteuerndes Einkommen – im Spitzensteuersatz also 42–45 %. ETF-Gewinne werden dagegen pauschal mit rund 26,4 % Abgeltungsteuer belegt.

Genau deshalb ist die Rechnung für einen Spitzensteuerzahler eine andere als für jemanden mit 20 % Grenzsteuersatz.

Immobilie oder ETF – Fremdkapital-Hebel und AfA im Spitzensteuersatz

Direkt gegenübergestellt

ETF und Immobilie im Vergleich

KriteriumAktien-ETFVermietete Immobilie
Kapitaleinsatzeigenes GeldBankfinanzierung + wenig Eigenkapital
HebelkeinerFremdkapital-Hebel
Besteuerung Gewinn~26,4 % Abgeltungsteuer (30 % Teilfreistellung)persönl. Satz; AfA senkt ihn; nach 10 J. steuerfrei
Aufwandminimalspürbar (Objekt, Finanzierung, Verwaltung)
Liquiditätbörsentäglichgering (Wochen–Monate)
Streuungsehr breitKlumpenrisiko
InflationsschutzmittelbarSachwert, oft indexierte Miete

Vereinfachte Gegenüberstellung, keine Beratung. Die konkrete Steuerwirkung hängt von deiner Situation ab.

Rechenbeispiel

100.000 € – als ETF oder als Eigenkapital?

Angenommen, du hast 100.000 € zur Verfügung, Spitzensteuersatz 45 %.

  • ETF: Du investierst die 100.000 € direkt. Bei z. B. 6 % Wertzuwachs p. a. wächst das Kapital – die Gewinne werden bei Verkauf mit rund 26,4 % (nach Teilfreistellung) besteuert. Kein Hebel, aber maximal einfach und liquide.
  • Immobilie: Die 100.000 € dienen als Eigenkapital für Objekte im Wert von z. B. 400.000–500.000 €. Es arbeitet also das Vier- bis Fünffache. Mieter und Finanzamt (über die AfA gegen 45 %) tilgen mit, nach 10 Jahren ist der Verkaufsgewinn steuerfrei.

Der Punkt ist nicht die Rendite pro Jahr – die kann beim ETF sogar höher sein. Der Punkt ist, auf wie viel Kapital sie wirkt und gegen welchen Steuersatz. Genau das misst die Schlutt-Formel V₁₀ ≥ 1,5 · E.

Illustratives Beispiel ohne Gewähr; reale Werte hängen von Objekt, Finanzierung, Kosten und Markt ab. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Die ehrliche Einordnung

Wann ETF, wann Immobilie

ETF ist dein Weg, wenn…

  • +du Einfachheit und volle Flexibilität willst
  • +du jederzeit an dein Geld kommen musst
  • +du (noch) keine finanzierungsstarke Bonität hast
  • −kein Hebel, Gewinn pauschal besteuert

Immobilie ist dein Hebel, wenn…

  • +du im Spitzensteuersatz bist (AfA wirkt gegen 42–45 %)
  • +du gute Bonität hast (Bank finanziert den Hebel)
  • +du langfristig hältst (steuerfrei nach 10 Jahren)
  • −Aufwand, Klumpenrisiko, geringe Liquidität

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • ETF gewinnt bei Einfachheit, Liquidität und Streuung – ein starker Basisbaustein.
  • Die Immobilie hat zwei Hebel, die der ETF nicht hat: Fremdkapital und AfA.
  • Der AfA-Hebel wirkt gegen deinen Spitzensteuersatz – ETF-Gewinne nur gegen ~26,4 %.
  • Nach 10 Jahren ist der Immobilien-Verkaufsgewinn im Privatvermögen steuerfrei.
  • Oft ist die beste Antwort „beides“ – die Frage ist Reihenfolge und Gewichtung.

FAQ

Häufige Fragen: Immobilie oder ETF

Immobilie oder ETF – was ist besser?
Es gibt kein pauschales „besser“. Der ETF gewinnt bei Einfachheit, Liquidität und Streuung. Die vermietete Immobilie gewinnt für Gutverdiener dort, wo zwei Hebel zusammenkommen, die der ETF nicht hat: Fremdkapital (die Bank finanziert den Großteil) und die Abschreibung (AfA), die im Spitzensteuersatz einen Teil deiner Steuerlast in Vermögen umwandelt.
Warum entsteht der Unterschied gerade im Spitzensteuersatz?
Beim ETF investierst du dein eigenes, bereits versteuertes Geld, und Gewinne werden pauschal mit rund 26,4 % Abgeltungsteuer belegt. Bei der Immobilie wirkt die AfA gegen dein zu versteuerndes Einkommen – also gegen 42–45 %. Je höher dein Steuersatz, desto größer dieser Hebel. Genau deshalb ist die Rechnung für Spitzenverdiener eine andere als für Normalverdiener.
Ist der ETF nicht die risikoärmere Wahl?
In mancher Hinsicht ja: Ein breiter Aktien-ETF ist über tausende Unternehmen gestreut, jederzeit verkaufbar und erfordert praktisch keinen Aufwand. Die Immobilie bündelt Kapital in ein Objekt (Klumpenrisiko), ist illiquide und bringt Finanzierungs- und Vermietungsrisiken mit. Dafür ist sie ein inflationsgeschützter Sachwert und erlaubt den Fremdkapital-Hebel.
Wie wird der Gewinn jeweils besteuert?
Aktien-ETF: Kursgewinne und Ausschüttungen unterliegen der Abgeltungsteuer (rund 26,4 % inkl. Soli), bei Aktien-ETFs mit 30 % Teilfreistellung. Immobilie: Mietüberschüsse werden mit deinem persönlichen Satz besteuert, Verluste (u. a. durch AfA) senken ihn – und nach 10 Jahren Haltedauer ist der Verkaufsgewinn im Privatvermögen steuerfrei.
Kann ich nicht einfach beides machen?
Oft ist genau das die beste Antwort. Der ETF ist der ideale, flexible Basisbaustein; die finanzierte Immobilie ist der Vermögenshebel für Gutverdiener mit guter Bonität. Die Frage ist selten „entweder/oder“, sondern „in welcher Reihenfolge und Gewichtung“ – abhängig von Einkommen, Bonität und Zielen.

Strategiegespräch

Was rechnet sich in deiner Situation wirklich?

Ob ETF, Immobilie oder beides – entscheidend sind dein Einkommen, deine Bonität und dein Ziel. Im Strategiegespräch rechnen wir deinen konkreten Fall ehrlich durch und prüfen, ob der Immobilien-Hebel für dich den Unterschied macht.

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Über den Autor

Steffen Schlutt
Steffen Schlutt
Bankkaufmann & Immobilieninvestor seit 2004 · Autor „Das Stein-Spar-Buch“

Steffen investiert seit 2004 in Immobilien und hält einen Bestand von über 50 Einheiten. Über das STEINSPARBUCH-System begleitet er Unternehmer und Gutverdiener zu ihrer ersten Investmentimmobilie – mit klaren Zahlen statt leeren Versprechen.