Eigenkapital freisetzen
Eigenheim beleihen, um eine Immobilie zu kaufen: So setzt du dein Eigenkapital frei
Ja, du kannst dein Eigenheim beleihen, um eine Immobilie als Kapitalanlage zu kaufen – indem du das Eigenkapital nutzt, das längst in deinen vier Wänden steckt. Der Hebel ist simpel: Die Differenz zwischen dem heutigen Verkehrswert deines Hauses und der Restschuld bei der Bank ist freies Eigenkapital, das du über eine Nachbeleihung oder eine zweite Grundschuld mobilisierst – ohne dein Haus zu verkaufen.
Für Gutverdiener ist das oft der schnellste Weg in die erste Kapitalanlage. Viele sparen jahrelang Eigenkapital an, obwohl sie längst sechsstellige Beträge im eigenen Haus gebunden haben. Hier erfährst du, wie du diesen Wert sauber freisetzt, worauf die Bank achtet und welchen steuerlichen Unterschied du unbedingt kennen musst.
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Dein Eigenheim ist kein totes Kapital, sondern ein Fundament
„Als Vermögensarchitekt betrachte ich dein Eigenheim nicht als totes Kapital, sondern als Fundament. Die Nachbeleihung ist das Werkzeug, mit dem wir das eingemauerte Eigenkapital aus deinem Haus in ein ertragreiches, steuerlich absetzbares Investment umlenken – kontrolliert und mit Sicherheitspuffer.“
– Steffen Schlutt, gelernter Banker und Immobilieninvestor seit 2004
Grundlagen
Was heißt „Eigenheim beleihen“ konkret?
Dein Haus hat einen Verkehrswert. Davon ist in der Regel noch ein Teil über ein Darlehen finanziert – die Restschuld. Was dazwischen liegt, ist dein gebundenes Eigenkapital. Bei einer Beleihung trägt die Bank eine Grundschuld auf dein Haus ein und stellt dir im Gegenzug Kapital bereit. Das geht entweder als Aufstockung bei deiner bestehenden Bank oder über eine zweite Bank, die eine neue Grundschuld übernimmt. Dein Haus bleibt dein Haus – du machst nur das darin schlummernde Kapital nutzbar.
So berechnest du dein freies Eigenkapital (Rechenbeispiel)
Ein typisches Beispiel aus meinen Strategiegesprächen:
- Verkehrswert deines Eigenheims: 600.000 €
- Restschuld bei der Bank: 200.000 €
- Beleihungsrahmen (Banken gehen meist bis ca. 80 % Verkehrswert): 480.000 €
- Abzüglich Restschuld: 480.000 € − 200.000 € = 280.000 € theoretisch freisetzbar
Konservativ nutzt du davon nicht das Maximum, sondern setzt mit Sicherheitspuffer z. B. 150.000–200.000 € als Eigenkapital für deine erste Kapitalanlage ein. Allein mit diesem Betrag finanzierst du – je nach Bank und Objekt – eine Wohnung oder sogar ein kleines Mehrfamilienhaus.
Die zwei Stellschrauben
Der Steuer-Hebel und die Flexibilitätsfrage
Der entscheidende Steuer-Hebel
Hier liegt der Punkt, den die meisten übersehen: Zinsen für ein Darlehen auf eine vermietete Kapitalanlage sind als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Zinsen für dein selbstgenutztes Eigenheim sind es nicht. Deshalb kann es sinnvoll sein, das Eigenheim-Darlehen abzulösen und stattdessen die neue Kapitalanlage höher zu beleihen – so wandern die abzugsfähigen Zinsen genau dorthin, wo sie steuerlich wirken. Das ist kein Trick, sondern saubere Struktur. Die konkrete Gestaltung gehört aber in die Hände deines Steuerberaters.
Variabel oder Festzins? Die Flexibilitätsfrage
Wenn dein Eigenheim-Darlehen ausläuft und du ohnehin eine Kapitalanlage planst, lohnt der genaue Blick auf die Zinsbindung. Lässt du das Darlehen variabel weiterlaufen – also ohne neue 10-Jahres-Festschreibung – hältst du dir die Tür offen: Eine neue Bank kann den Kredit jederzeit ablösen und die Grundschuld auf Rang 1 übernehmen. Eine lange Festschreibung blockiert genau diese Option oft für ein Jahrzehnt. Flexibilität schlägt hier in vielen Fällen die vermeintliche Zinssicherheit.
Die Bankperspektive
Worauf die Bank schaut
Bevor die Bank beleiht, prüft sie deine Zahlen. Zwei Dokumente entscheiden über deine Kreditwürdigkeit:
- Eine Immobilien- bzw. Vermögensaufstellung – alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten auf einen Blick (auch ein ETF-Depot gehört dazu).
- Eine Monatsübersicht – Einnahmen und Ausgaben, damit deine Kapitaldienstfähigkeit sichtbar wird.
Je sauberer und vollständiger du das aufbereitest, desto besser deine Verhandlungsposition. Wichtig sind außerdem der Grundschuldrang und der Beleihungsauslauf – also wie weit der Kredit den Wert deines Hauses ausreizt. Grundlagen dazu findest du unter Immobilienfinanzierung und Eigenkapital bei Immobilien.
Der Prüfmaßstab
Die Schlutt-Formel im STEIN-SPAR-BUCH-System
Im STEIN-SPAR-BUCH-System ist die Nachbeleihung kein Selbstzweck – sie muss sich rechnen. Der Maßstab dafür ist die Schlutt-Formel, ein fester Baustein des STEINSPARBUCH-Systems:
V₁₀ ≥ 1,5 · E
Der Vermögenszuwachs in 10 Jahren (V₁₀) – aus Tilgung, Wertsteigerung und Steuereffekt – soll mindestens das 1,5-Fache des eingesetzten Eigenkapitals (E) betragen. Setzt du 150.000 € aus deinem Eigenheim ein, muss die Kapitalanlage in 10 Jahren mindestens 225.000 € Vermögenszuwachs liefern – sonst steht das freigesetzte Kapital an der falschen Stelle. Genau diese Rechnung machen wir vor dem Kauf, nicht danach.
Das Wichtigste in Kürze
Zusammenfassung
- Dein Eigenkapital im Eigenheim = Verkehrswert minus Restschuld.
- Eine Nachbeleihung oder zweite Grundschuld setzt dieses Kapital frei – ohne Verkauf.
- Banken beleihen meist bis ca. 80 % Verkehrswert – rechne mit Sicherheitspuffer.
- Steuer-Hebel: Zinsen der vermieteten Kapitalanlage sind absetzbar, die des Eigenheims nicht.
- Variabel laufende Eigenheim-Darlehen halten die Tür für eine Ablösung offen.
- Prüfmaßstab für jeden Kauf: die Schlutt-Formel V₁₀ ≥ 1,5 · E.
Weiterführende Themen
FAQ
Häufige Fragen zum Eigenheim beleihen
Wie viel Eigenkapital kann ich aus meinem Eigenheim herausholen?
Bleibt mein Eigenkapital durch die Umschuldung nicht einfach gleich – was bringt das dann?
Soll ich mein Eigenheim-Darlehen fest oder variabel verlängern, wenn ich noch kaufen will?
Kann ich die Zinsen für die Beleihung meines Eigenheims absetzen?
Brauche ich trotz Eigenheim-Beleihung noch zusätzliches Eigenkapital?
Ist es riskant, das eigene Haus zu beleihen?
Strategiegespräch
Steckt in deinem Eigenheim das Eigenkapital für deine erste Immobilie?
Wir rechnen in einem persönlichen Gespräch durch, wie viel Kapital du sauber freisetzen kannst, wie du die Finanzierung steuerlich klug strukturierst – und ob sich der Schritt nach der Schlutt-Formel für dich lohnt.
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